Le “beaucoup des fleurs”
Lehrerin: “Wie heißt die Arbeit von Safaa Erruas? Un bou.. un bou… ??” – Kind: “Un beaucoup-des-fleurs!”
Beim dritten Besuch im Cube setzten sich die Kinder mit der Installation “Le bouquet romantique” von Safaa Erruas auseinander. Gemeinsam versuchten sie heraus zu finden, um was es sich bei den Objekten handeln könnte und aus welchem Material sie bestehen. Einige Kinder befanden, dass es sich um Blumen handele, andere meinten es seien Steine oder Muscheln. Der Titel der Arbeit bestätigte die Vermutung “Blumen”.
Nun wurde überlegt, was ein Blumenstrauß überhaupt ist, was er bedeutet, warum man Blumen bindet, zu welchen Anlässen Blumen verschenkt werden und wo sie sich dann im Hause befinden. Dabei kam heraus, dass es in Marokko unüblich ist zum Geburtstag Blumen zu verschenken. Man erhält Blumen, wenn man krank ist oder heiratet. Oder einfach nur so, weil Blumen als schön und dekorativ empfunden werden. Und weil sie gut riechen. Sie werden zumeist auf dem Tisch platziert. Und der Tisch ist ein Mittelpunkt des Hauses.
Nach diesem Gedankenaustausch zum Thema Blumenstrauß dachten die Gruppen über Unterschiede zwischen künstlichen und natürlichen Blumen nach. Das Resultat: künstliche Blumen halten länger, sind aber geruchlos. Natürliche Blumen sterben schnell, verströmen dafür aber einen angenehmen Duft. Auf die Frage, welche Blumen die Kinder bevorzugen, kam die einhellige Antwort: Wir lieben die natürlichen Blumen. – Warum? – Weil sie gut riechen.

Als gestalterische Aufgabe kreierte jedes Kind eine eigene Blume. Die Gruppen bekamen einen Fundus aus verschiedenen Papieren zur Verfügung gestellt. Die Grundlage für die Blüte fertigten alle gemeinsam. Dann war freie Materialwahl. Diese Episode war eine Art Test. Ergebnis: Es war sehr schwer für die Kinder zu bewerkstelligen. Ihnen fehlte offensichtlich die Erfahrung des selbstständigen und selbstbestimmten Arbeitens. Leider wurde ihnen auch in dieser Phase nicht viel Eigenständigkeit zugesprochen, so dass als Ergebnis ziemlich monotone Kreationen entstanden. Leider konnte ich nicht direkt eingreifen, da die Kommunikation durch die Sprachbarriere zwischen Lehrerin und mir beeinträchtigt wurde. Ich habe bei einzelnen Kindern versucht durch bestärkendes Zureden Eigenständigkeit zu fördern.

Am Ende wurden alle Blumen zusamen in eine Vase gesteckt. Ein Blumenstrauß war entstanden. Gemeinsam wurde dieser auf dem Tisch platziert – in der Mitte.



